Die große Eule-Orgel in St. Michael Schwabmünchen
Ausgangspunkt aller musikalisch-dispositionellen Überlegungen war ein ausgewogenes, großes Orgelwerk mit dem Duktus der sächsisch-mitteldeutschen Orgeltradition des 18. und 19. Jahrhunderts. Insbesondere die Klanggestalt Gottfried Silbermanns und die der darauf aufbauenden späteren Orgelbauer, wie Friedrich Ladegast und Hermann Eule, bildeten hierfür die Grundlage der Mensuration. Nachweislich bestand bei ihnen auch eine praktizierte oder starke gedankliche Nähe zum französischen Orgelbau, so dass sich auch unschwer diese Klangelemente skizzenhaft einbinden ließen.
Ziel war es, im Sinne eines einheitlichen regionalen Stils, jene Homogenität entstehen zu lassen, die ein Instrument braucht, um unter Vermeidung gewaltsamen Konglomerierens von Stilelementen eine Synthese klassischer und romantischer Klangressourcen zu ermöglichen. (Die Besetzung der einzelnen Werke der Orgel steht analog dazu in einer engen Beziehung zueinander.)
Bereits im Registerbestand der ersten beiden Manuale, die denen der stilistische Grund des 18. Jahrhunderts gelegt ist, sind weiterführende Stimmen des 19. Jahrhunderts enthalten. Damit ist der fließende Übergang gegeben zum romantisch intendierten dritten Manualwerk, in dem wiederum ein französisch mensurierter Zungenchor verschmelzend einbezogen ist.
Das vierte Manual ist das Solowerk der Orgel und, wie auch im klassischen französischen Orgelbau, zum Spiel ausgeprägter Melodien vorgesehen. Armin Zuckerriedel

Die künstlerische Farbgestaltung
Die Gemeinde der katholischen Kirche St. Michael in Schwabmünchen hat sich für den Farbentwurf des national wie international bekannten Künstler Jacques Gassmann entschieden. Sie kannte die bereits entstandenen Orgeln in Bad Tölz, Runding und Kitzingen und sie kannte die Werke des Künstlers zur Apokalypse und zur Passion. Diese Orgelgestaltungen bilden eine tiefgehende Kunst am Bau, die den intensiven künstlerischen Diskurs mit biblischen Themen widerspiegeln.
In unnachahmlicher Weise schaffte es Jacques Gassmann über die Architektur und den Klangkörper dieser Orgel, hier in Schwabmünchen, Farbpartituren zu legen, die die Wege der Noten zu Tönen beschreiben. Hervorragend ist zu sehen, wie der Künstler mit der Farbwahl und ihrer Nuancierung den Untergrund, das Holz in seiner Verarbeitung aufgreift. Im Extrem der Vollton einer Lasur über dem Vollholz seiner Architektur.
Die Besonderheit dieser Orgel bedeuten jedoch vielmehr die grossen Farbstrukturen und Tonverläufe, die hier einzigartig Klangwelten visuell übersetzen. Die Gestaltung des Prospekts produziert kein Bild, sondern einen atmosphärischen Raum für ein musikalisches, sowie sakrales Erleben.
Um den Spieltisch entsteht durch das Blau ein Kosmos mit Einsätzen des Weiss. Die Seiten des Untergehäuses sind braun und ihr Farbverlauf führt zur Mitte zurück. Dieser Dialog der Farben durchzieht den Prospekt der Orgel.
Der Spieltisch selbst bleibt als Werkzeug des Organisten unberührt von Farbe. Ausgenommen seine Türen übernehmen dieses künstlerische Prinzip des Farbwechsels. Jeder einzelne Bogen unter und über den Orgelpfeifen wird für sich betrachtet zum eigenständigen Kunstwerk und fügt sich gleichzeitig in das Gesamtkunstwerk wieder hinein.
In der Dualität von Materialität der Orgel an sich und der Immaterialität der Klangwelten, die diese erzeugt, entschlüsselt sich dieser Farbkosmos von Jacques Gassmann. An das Erdverbundene, somit Irdische, hier in allen Variationen der Farbe Braun, von hellster bis dunkelster Tönung, hat Gassmann ein Himmelblau gelegt, das bis ins Ätherische hinein die Möglichkeit des Blaus von der Dämmerung bis hin zum Zenit des Lichtes ausschöpft. Die Tuschen, in lasierender Technik aufgetragen, ordnen die Details des Instruments und verleihen ihm den Ausdruck erzeugter Bewegung durch die gestalterische Freilegung visueller Kräfte.
Die einzelnen Elemente sind, laut dem Künstler Jacques Gassmann, transparent angelegt, um so die vorstellbaren Ausmaße kontemplativ und meditativ zu erweitern und zu vervollkommnen. Frank Schablewski, Düsseldorf

Erbauer: Hermann Eule Orgelbau, op.621, Geschätsführer: Armin Zuckerriedel, Bautzen / Sachsen
Disposition: Thomas Rieff, Chorregent in Zusammenarbeit mit KMD Burkhart Goethe und Orgelbau Hermann Eule
Prospektentwurf: KMD Burkhart Goethe in Zusammenarbeit mit Hermann Eule Orgelbau
Technische Konstruktion: Friedbert Kammbach
Technische Montage: Eberhard Kaßner, Ekkehard Kockel, Heiner Lippmann, Michael Kaßner, Michael Poldrack, Andreas Baum, Ralf Trompler, Friedemann Birke
Intonation: Ulrich Schwarzenberg, Johannes Adler
Künstlerische Gestaltung: Jacques Gassmann, Hannover, www.ogrody.org
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